"Denn das Weibliche ist nicht wie das Männliche..."
Die Geschichte Marias/ Maryams im Koran
Ein kleiner Exkurs der vergleichenden Theologie
Betrachtet frau einmal die Theophanie, die sich in der Geschichte Jesu offenbart, mit jenen vorangehenden abrahamitischen Propheten bis hin zu Muhammad „nebeneinander“, dann lässt sich im Hinblick auf die „theo-morphe Evolution“ ein gewisser „Anachronismus“ nicht übersehen. Aus welcher „geschichtlichen“ Notwendigkeit heraus auch immer die Gottheit Allah – Sie ist Erhaben - sich dafür entschieden haben mag, „anachronistisch“ vorzugehen, dem gegenwärtigen Diskurs bleibt die „Jungfrauengeburt“
- und damit verbunden „die Erscheinung Jesu als ein vollkommenes Ebenbild Gottes, der Tote auferwecken konnte“ - nach wie vor ein unerklärlicher Tatbestand.
So als ob ein aus der Zukunft stammender Mann in seine Vergangenheit geholt wird, der dadurch notwendigerweise einen Bruch mit seiner Gegenwart erleidet.
Worin also bestand die Notwendigkeit einer solchen Gottesoffenbarung und gibt der Koran dafür eine für menschliche Begriffe nachvollziehbare Erklärung?
Bevor wir eine punktuelle Ausführung zur Geschichte Marias im Koran machen, wollen wir einen kurzen Blick nach Jerusalem werfen, um den vorliegenden Text besser verorten zu können. Um ein wenig im zeitgeschichtlichen Diskurs zu bleiben, sei hier die Sicht Abraham Geigers (1810-1874) gewählt, der die Anfänge der historisch-kritischen Wissenschaft in der Bibel- und auch der Koranforschung[1] markiert und den „historischen Jesus“ als „jüdischen Jesus“[2] anerkennt:[3]
[1] Vergl.A. Neuwirth, „Im vollen Licht der Geschichte“, Die Wisschenschaft des Judentums und die Anfänge der kritischen Koranorschung, ERGON-Verlag, 2008, 27-28.
[2] S. Heschel, Abraham Geiger and the Jewish Jesus, Chicago Studies in the History of Judaism. 1998.
[3] Zu den religions-politischen Verhältnissen imUmfeld Jesu in Jerusalem vergl. noch Jens Schröter u. Christine Jacobi (Hg.), Jesus Handbuch, Mohr Siebeck Verlag, 2017, 185-213.